Englische Lesung mit Witz

Englische Lesung mit Witz

„Red ist krank.“ Die Enttäuschung stand den Schülern ins Gesicht geschrieben. So gefreut hatten sie sich auf die rote Socke aus England, die eine Schöpfung des Autors David Fermer ist. Nun saßen sie in der Schleswiger Stadtbücherei und wollten den aus Filmen bekannten Kobold kennenlernen, doch der liege mit einer Erkältung im Bett, so Fermer – mit einem Augenzwinkern. Denn nur wenige Minuten später schaltete sich Red per Videoschaltung dazu und brachte die Lesung des charmanten Jugendbuchautors in Schwung.

Natürlich war allen Fünft- und Sechstklässlern klar, dass Red nur eine Puppe ist und auch nicht live auf der Leinwand zu sehen war. Doch Fermer zog eine gute Stunde lang die Schüler in seinen Bann. Und das auf Englisch. Kaum ein deutsches Wort fiel in dieser Zeit, vielmehr wendeten auch die Kinder ihre Sprachkenntnisse an und gestalteten gemeinsam mit Red und Fermer die Lesung. Denn Fermers Auftritte sind „interaktiv“: Da bleibt es nicht nur beim Zuhören, da wird der Zuschauer selbst zum Akteur. In kleinen Theaterszenen holte er sich Schüler als Schauspieler dazu. Bankräuber und Polizisten sausten plötzlich durch die Bücherei. Und auch beim Vorlesen seiner Kinderbücher übernahmen Schüler die Rollen von Figuren. Und hatten jede Menge Spaß dabei.

Zum Abschluss gab es noch eine Fragerunde und die Schüler erfuhren, dass der Engländer eigentlich in der Schweiz geboren wurde. Der heute 43-Jährige wuchs in einem kleinen englischen Dorf an der Themse auf. Nach einem Kunst- und einem späteren  Filmstudium zog er nach Berlin, wo er in der Filmproduktion arbeitete. Nicht ausgefüllt von dieser Tätigkeit fing er an, selber zu schreiben und war gleichzeitig Englisch- und Kunstlehrer in Schulen in Peru und Berlin. Jetzt lebt David Fermer mit seiner Familie in Köln und schreibt hauptberuflich spannende Bücher für Kinder und Jugendliche.

Während für die Schüler der Orientierungsstufe der Spaß an erster Stelle stand, hatte Fermer in einer zweiten Lesung ein ernstes Thema für Neunt- und Zehntklässler mitgebracht: In seinem Buch „Coast to Coast“ wird die aktuelle Flüchtlingsproblematik aufgegriffen. Es erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei jungen Männern: Als der 17-jährige Cooper Jackson einen halb-ertrunkenen jungen Afghanen am Strand von Darwin in Australien findet, gerät er in einen Konflikt zwischen Richtig und Falsch und begibt sich auf einen Weg, der ihn in die dunkelsten Ecken von Australiens „stop the boats“-Politik führt.

Für die Jugendlichen war es eine spannende Diskussion, die Fermer anschaulich und schülerzugewendet führte. Auch hier band er alle mit ein, um das Thema rüberzubringen.

Alle Bücher von Davis Fermer sind in der Schülerbücherei ausleihbar. Die 70 Filme von „David und Red“ kann man sich auf YouTube ansehen.